Für faire Bedingungen in der Bereitschaftspflege – Online-Petition

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Ohne Zukunftsängste ein Zuhause auf Zeit schenken!

Was leistet die Bereitschaftspflege?

Bereitschaftspflegepersonen nehmen Kinder aus Notsituationen bei sich zu Hause auf und sorgen rund um die Uhr für sie, bis sich eine langfristige Perspektive für diese Kinder ergibt. Die Kinder können so in der Geborgenheit einer Familie aufgefangen werden.

In Hamburg gibt es nur rund 35 Bereitschaftspflegefamilien. Dem stehen jährlich über zweihundert Platzierungs-Anfragen entgegen.

Kinder, die nicht in Bereitschaftspflegefamilien vermittelt werden können, werden meist in Kinderschutzhäusern untergebracht.

Seit Jahren gelingt es nicht, mehr Familien für die Bereitschaftspflege zu gewinnen. Das liegt aus unserer Sicht vor allem an den Rahmenbedingungen.

Die Hauptpflegeperson kann keiner geregelten Berufstätigkeit nachgehen, denn sie muss im Falle einer Belegung sofort verfügbar sein. Sobald das Kind eingezogen ist, nimmt es die Hauptpflegeperson voll in Beschlag.

Die Bereitschaftspflege selber gilt nicht als Erwerbstätigkeit, es werden also keine Beiträge zur Sozialversicherung geleistet. Jegliche damit einhergehende Risiken trägt die Hauptpflegeperson selber.

Was erhält die Bereitschaftspflegeperson?

Für die Tätigkeit wird ein Pflegegeld bezahlt, welches in Hamburg zurzeit zwischen 1.449 und 1.598 Euro liegt. Neben dem Unterhalt für das Kind sind darin Erziehungskosten in Höhe von 856 Euro enthalten. Zusätzlich werden unter bestimmten Voraussetzungen monatlich 42 Euro Zuschuss zur Altersvorsorge gezahlt und die Kosten für eine Unfallversicherung erstattet.

Was fordern wir?

  1. Umwidmung der Bereitschaftspflege vom „bezahlten Ehrenamt“ zur „Erwerbstätigkeit“ für die Hauptpflegeperson.
  2. Aufnahme der Hauptpflegeperson in die reguläre Sozialversicherung zur angemessenen Vorsorge vor Arbeitslosigkeit, Krankheit, Pflegebedürftigkeit und zur Altersvorsorge.
  3. Zahlung eines Nettoeinkommens, das mindestens den derzeit in Hamburg üblichen Erziehungskosten entspricht, wenn weiterhin Kindesunterhalt gezahlt wird. Nach Abzug der Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung muss unterm Strich das Gleiche herauskommen wie jetzt. Weniger Einkommen für die geleistete Arbeit darf nicht das Ergebnis der geforderten Veränderungen sein.
  4. Anspruch auf Urlaub. Dieser sollte – zum Wohle der Pflegekinder – bei langen Belegungen auch im Nachhinein (im Folgejahr) genommen werden können. Damit erlangen Pflegepersonen Planungssicherheit über ihre Einkünfte und Erholungsphasen zwischen den Belegungen sind dann nicht länger einkommensfreie Zeiten.

Begründung

Unsere Aufgabe ist es, Hamburgs schwächsten Bürgern in Notsituationen zu helfen. Wir nehmen Kinder bei uns zu Hause auf, die in ihren Herkunftsfamilien aus unterschiedlichsten Gründen gerade nicht die Geborgenheit und Sicherheit finden, die sie zum Aufwachsen brauchen. Das können wenige Wochen sein, meist sind es einige Monate, manchmal sind es sogar Jahre. Solange sind die Kinder Teil unserer Familie. Wir versorgen unsere Schützlinge mit Obdach, Nahrung, Kleidung, Gesundheitsvorsorge – vor allem aber mit Zuwendung, Zuneigung, Geduld und Geborgenheit.

Im Laufe einer Belegung gibt es viele Tätigkeiten und Termine, die darüber hinaus von uns vorausgesetzt werden. Wir nehmen die Arzttermine der Pflegekinder wahr, begleiten zu Therapien, ermöglichen bis zu zwei Besuchskontakte pro Woche für die Herkunftsfamilie, empfangen ggf. einmal im Monat den Vormund des Kindes, empfangen einmal im Quartal unsere Pflegefamilienberatung bei uns zu Hause, gehen zu den monatlichen Elternabenden, besuchen mindestens einmal jährlich eine Fortbildung, nehmen auf Wunsch an Hilfeplangesprächen teil, schreiben Entwicklungsberichte und leisten Biographiearbeit für die Pflegekinder. Während einer Belegung gibt es keine freien Wochenenden oder Feiertage. Auch nachts und auf Reisen sind Bereitschaftspflegeeltern im Einsatz. Nicht selten bestimmt das Pflegekind sogar den Urlaubsort durch die äußeren Umstände (Alter, Pass). Trotz dieses Rund-Um-Die-Uhr-Einsatzes gelten Bereitschafspflegepersonen offiziell als „nicht beschäftigt“.

Obwohl wir in der Bereitschaftspflege eine Arbeit leisten, die wir gerne und von Herzen tun, müssen sich viele von uns fragen, wie lange wir uns diesen Luxus noch leisten wollen. Die meisten von uns machen sich durch diese Tätigkeit total abhängig von ihrem Partner.

  • Wir sammeln keine Rentenpunkte bei der gesetzlichen Rentenversicherung
  • Krankenversichert sind wir meist über unsere Partner
  • Arbeitslosenversichert sind wir gar nicht
  • Für unser Alter sorgen wir privat vor. Auch der Zuschuss der Stadt Hamburg in Höhe von ca. 42 € monatlich ist da nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
  • Wir sind raus aus dem Beruf und gelten als „Hausfrau/-mann“, was die zukünftigen Chancen auf dem Arbeitsmarkt erheblich verschlechtert
  • In belegungsfreien Zeiten erhalten wir keine finanziellen Leistungen. Pausen, Krankheiten, Urlaube, etc. gehen dann zu Lasten unserer Ersparnisse

Ereignisse wie schwere Krankheit, Trennung o.ä. würden uns finanziell und sozial gesehen ins Abseits befördern. Das bereitet vielen von uns Sorgen. Wir wollen dieses Risiko nicht länger tragen.

Sollen wir es länger hinnehmen, dass diejenigen, die sich täglich der Schwächsten in unserer Gesellschaft annehmen, sich damit selber ins Abseits befördern. Dies ist mit Sicherheit auch ein wichtiger Grund, warum es der Stadt trotz jahrelanger intensiver Bemühungen nicht gelingt, die Anzahl der Bereitschaftspflegestellen dauerhaft und nachhaltig zu steigern. Unter den gegebenen Umständen können es sich die meisten Interessenten einfach nicht leisten, sich für diese eigentlich so erfüllende Aufgabe zu entscheiden.

Bitte nehmen Sie sich dieses Themas an. Zum Wohle der Kinder dieser Stadt, zum Wohle der Bereitschaftspflegepersonen und ihrer Familien und zum Wohle der Gesellschaft. Gesamtgesellschaftlich gesehen macht es Sinn. Selbst nach einer Umwandlung der Bereitschaftspflege vom Ehrenamt in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit fairen Rahmenbedingungen kostet die Unterbringung eines Kindes in einer Pflegefamilie nur einen Bruchteil dessen, was eine Heimunterbringung kosten würde. Außerdem kann es nur im Interesse der Politik sein, dass alle Mitglieder dieser Gesellschaft für die Unwegbarkeiten des Lebens vorsorgen, um in der Not oder im Alter nicht auf öffentliche Unterstützung angewiesen zu sein. Altersarmut und Hartz IV gehen immer auch zu Lasten der Gesamtgesellschaft. Hamburg braucht mehr Bereitschaftspflegefamilien. Wir lieben, was wir tun und wir wollen es weiterhin tun.

Geben Sie uns die Chance, dass wir es uns langfristig auch leisten können. Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Samia Aissatou Martin aus Hamburg

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